An den US-Kreditmärkten verschwimmen derzeit die Grenzen zwischen klassischen Investment-Grade-Anleihen und sogenannten Junk Bonds. Der Risikoaufschlag für hoch bewertete Hochzinsanleihen liegt nur noch 0,73 Prozentpunkte über dem für die schwächsten Investment-Grade-Papiere – ein Wert, der so niedrig zuletzt 1998 erreicht wurde.

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Die Risikoprämien sind insgesamt so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Für viele Investoren überwiegt aktuell der Wunsch, sich noch vergleichsweise hohe Renditen zu sichern, auch wenn diese im Jahresverlauf bereits zurückgegangen sind. So liegt die durchschnittliche Verzinsung von Aaa US-Unternehmensanleihen bei knapp 5,35 Prozent- auch wenn das deutlich über dem Zehnjahresdurchschnitt ist, sind die Zinsen im historischen Vergleich keinesfalls ungewöhnlich hoch.

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Steigende Anleihekurse treiben Aktienmärkte
Gleichzeitig warnen Beobachter, dass die Märkte Risiken wie geopolitische Spannungen oder die Abkühlung am US-Arbeitsmarkt unterschätzen könnten. Schon kleine Schocks könnten die engen Spreads plötzlich wieder deutlich ausweiten. Trotzdem flossen auch im August 57 Milliarden US-Dollar in Investment Grade Unternehmensanleihen- Funds, was die Kurse stützt und die Renditeabstände weiter schrumpfen lässt.
Betrachtetet man das gesamte Jahr 2025, so betrugen die Zuflüsse in internationale Staats- und Unternehmensanleihe-Funds laut der Bank of America über 700 Milliarden US-Dollar. Solche Volumina konnte man zuletzt nur während der Pandemie 2020 sehen.

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Die Unsicherheit treibt die Anleger global also in festverzinsliche Papiere, die den Portfolien einen gewissen Grad an Stabilität geben. Somit wird die Hypothese, steigende Anleihekurse würden Kapital aus den Aktienmärkten ziehen, empirisch widerlegt. Im Gegenteil: Die Renditen geben Planungssicherheit und führen zu erhöhter Risikobereitschaft, die jedoch in heiklen Marktphasen schnell in Panik enden kann.
Einige Fondsmanager reagieren auch aus diesem Hintergrund vorsichtig und setzen verstärkt auf defensive Branchen wie Telekommunikation oder Versorger. Insgesamt rechnen viele Analysten damit, dass sich die enge Risikospanne zwischen Investment-Grade- und Hochzinsanleihen vorerst fortsetzt. Unternehmensbonds liefern derzeit einfach lukrativere Erträge als Staatsanleihen und werden von Marktteilnehmern als relativ sicher eingeschätzt.
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Foto von Austin Distel auf Unsplash


