Ein mittelgroßer Player im US-Subprime-Markt ist überraschend zusammengebrochen: Der Autokreditgeber Tricolor Holdings hat Insolvenz angemeldet – begleitet von Vorwürfen möglicher Manipulationen und Betrugsfällen. Laut Medienberichten könnten Fahrzeuge mehrfach als Sicherheit für unterschiedliche Kreditgeber hinterlegt worden sein. Nun versuchen Banken und Investoren fieberhaft, ihre Ansprüche zu sichern. Darunter befinden sich ebenfalls Großbanken wie JP Morgan sowie Fifth Third, denen laut der Financial Times Verluste in neunstelliger Höhe drohen.

Quelle: @FT / X
Besonders brisant: Tricolor vergab hochverzinste Darlehen vor allem an einkommensschwache und teils undokumentierte Kreditnehmer. Nach der Pleite herrscht Unklarheit, wie groß das Ausmaß der Unregelmäßigkeiten tatsächlich ist. Mehrere Tausend Gläubiger, Lieferanten und Partner sind betroffen.
Carvana nun im SChussfeld
Viele Marktbeobachter verweisen schon länger darauf, dass Carvanas Bewertung nicht primär auf dem Handel mit Gebrauchtwagen beruht, sondern auf dem massenhaften Verpacken und Weiterverkaufen von Autokrediten. In den Jahren vor der Finanzkrise 2008 wurde die Finanzinnovation der Collateralized Debt Obligations (CDO) immer attraktiver bis sie schließlich aufgrund solcher Subprimekredite zusammenbrach. Auch Carvana verfährt mit Bündelungen von Autokrediten.
Mit dem Fall Tricolor werden Investoren diese Papiere künftig wohl deutlich kritischer prüfen – ein Umstand, der Carvanas Geschäftsmodell empfindlich treffen könnte, zumal das Unternehmen ohnehin bereits von der US-Börsenaufsicht (SEC) untersucht wird. Auch das Justizministerium hat sich in den Fall Tricolor eingeschaltet. Zwar bedeutet das nicht zwangsläufig, dass Carvana denselben Weg geht, doch die Ähnlichkeit der Geschäftsmodelle wirft Fragen auf.
Subprime- Autokredite fallen zunehmend aus
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Insolvenzen im Subprime-Autokreditsektor – auch Unternehmen wie American Car Center oder US Auto Sales gingen in den vergangenen Jahren pleite. Auffällig ist, dass Investoren noch bis vor kurzem massenhaft Anleihen solcher Anbieter nachfragten, im Vertrauen auf die Kaufkraft der US-Konsumenten. Nun droht ein böses Erwachen: Ausgefallene Zinszahlungen, fehlende Abrechnungen und die abrupte Liquidation deuten darauf hin, dass es nicht genug Vermögenswerte für eine Sanierung gibt.
Das erste Mal seit Erhebung der Daten übersteigt die Ausfallsrate von Subprime-Autokrediten die 5-Prozent-Marke. Ein klares Zeichen, dass Konsumenten zunehmend nicht mehr ihren Verbindlichkeiten nachkommen können und Gläubiger erwartete Rückzahlungen nicht erhalten werden.

Quelle: @GlobalMktObserv / X
Analysten sehen darin ein mögliches Warnsignal für den gesamten Konsumkreditmarkt. Schon jetzt nehmen Zahlungsrückstände und Fahrzeugrücknahmen stark zu. Gleichzeitig könnten auch andere Risikosegmente wie Buy Now, Pay Later oder hochverzinsliche Unternehmensanleihen unter Druck geraten, wenn die Ausfälle zunehmen.
Die Kernfrage lautet: Handelt es sich bei Tricolor um einen Einzelfall – oder um ein Vorzeichen für größere Turbulenzen im Kreditwesen, vergleichbar mit den ersten dominosteinen der Subprime-Krise vor anderthalb Jahrzehnten? Und wie kann es sein, dass sechs Großbanken einen Deal mit einem Subprime-Autoverleiher eingehen, der laut der Financial Times bereits im Frühjahr einen Anleihedeal abschloss, der zeigte, „dass 68 Prozent der Schuldner keine Kreditwürdigkeit und mehr als die Hälfte keinen Führerschein haben“?

Quelle: FT
Abgesehen davon, dass die Spekulation mit gebündelten Papieren schon einmal beinahe zu einem Wirtschaftskollaps führte, ist die Situation der US-Banken ohnehin schon geschwächt. Im zweiten Quartal diesen Jahres erreichten die unrealisierten Verluste aus Wertpapieranlagen fast 400 Milliarden US-Dollar. Auch wenn jene primär auf gesunkene Anleihekurse zurückzuführen sein dürfte, ist der Puffer im Falle eines plötzlichen „Triggers“ gering.

Quelle: @KobeissiLetter / X
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Foto von LJ Parchaso auf Unsplash


