Das US-Arbeitsministerium hat bei seiner vorläufigen jährlichen Überprüfung der Beschäftigungszahlen einen massiven Korrekturbedarf festgestellt: Für den Zeitraum von April 2024 bis März 2025 wurden rund 911.000 Stellen weniger ausgewiesen als ursprünglich berichtet. Damit handelt es sich um die größte negative Revision seit Beginn dieser statistischen Anpassungen. Besonders stark betroffen sind Branchen wie Gastronomie, Unternehmensdienstleistungen sowie der Handel.

Quelle: bls.gov
Solche Revisionen sind nichts Ungewöhnliches, da die monatlichen Schätzungen auf Umfragen beruhen und später mit den deutlich umfassenderen Daten der staatlichen Lohn- und Gehaltsstatistiken abgeglichen werden. Üblicherweise bewegen sich die Korrekturen aber nur im Bereich von rund 0,2 % der Gesamtbeschäftigung. Die diesjährige Anpassung fällt mit minus 0,6 % außergewöhnlich hoch aus. Gründe sind unter anderem fehlerhafte Meldungen einzelner Betriebe sowie eine geringere Rücklaufquote bei der Befragung.
Auch wenn es „Response-“ und „Nonresponse Errors“ gab, sind die diesjährigen Revisionen höher als sie im Jahr 2009 nach der Finanzkrise (-911.000) waren. Auch im Vorjahr hatte es eine außergewöhnlich hohe Abwärtskorrektur von über 800.000 Stellen gegeben. Der Arbeitsmarkt ist also die letzten zwei Jahre deutlich schlechter gelaufen als es die Daten zunächst ermittelten.

Quelle: @KobeissiLetter / X
Politisch sorgt dies für heftige Diskussionen. Kritiker werfen der früheren Regierung unter Präsident Biden vor, die Lage am Arbeitsmarkt zu positiv dargestellt zu haben. Vertreter der aktuellen Administration verweisen dagegen auf methodische Probleme und den Reformbedarf der Statistikbehörde. Denn Methoden wie etwa das „Birth-Death Model“ sind statistischer Unsinn und obliegen in der praktischen Umsetzung keinerlei objektiver Maßstäbe.
Die Folgen sind gravierend: Über die letzten Jahre summieren sich die nachträglich gestrichenen Arbeitsplätze auf mehrere Millionen. Beobachter gehen davon aus, dass diese neuen Zahlen auch die Geldpolitik beeinflussen werden – insbesondere die Frage, ob die US-Notenbank angesichts der schwächeren Beschäftigung früher mit Zinssenkungen hätte beginnen müssen. Jamie Dimon betont nun, dass sich die amerikanische Wirtschaft abschwächt.

Quelle: @Barchart / X
Reaktionen der Märkte
Für die Aktienmärkte bedeutete das heute einen weiteren Tag auf der Jagd nach neuen Rekordkursen. Die Wahrscheinlichkeit einer 25 Basispunkte Zinssenkung liegt durch die schlechte Arbeitsmarktdaten bei 91,83 %.

Quelle: cmegroup.com
Das sorgte für ein Plus an allen drei großen US-Indizes. Der größte Zuwachs konnte der DowJones mit +0,43 % verbuchen.

Quelle: investing.com
Der US-Dollar-Währungsindex stieg mit +0,35 % auf 97,785 USD. Die amerikanische Zinsstrukturkurve (blau) ist gegenüber Jener vor einem Monat (rot) gesunken, was dafür spricht, dass sich Anleger zunehmend in sichere Häfen begeben. Für die amerikanische Refinanzierung könnte es deutlich schlechtere Entwicklungen geben.

Quelle: TradingView
Trotz allem warnt JPMorgan vor Zinssenkungen im September. Neben der Tatsache, dass diese Woche noch die Produzenten- und Erzeugerpreise gemeldet werden und die Situation verkomplizieren könnten, warnt die amerikanische Großbank vor einem „Sell the News“- Event, das die US-Leitindizes in dem Fall der Fälle erwischen könnte.

Quelle: @DeItaone / X
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Bild von Gerd Altmann auf Pixabay


