Die neuesten Inflationsdaten aus den USA sorgten für keine Überraschungen und sind somit nicht als Anzeichen einer außer Kontrolle geratenen Preisentwicklung infolge der jüngsten Zölle zu verstehen. Sowohl der Kern-PCE, der von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsindikator, als auch die Gesamtwerte lagen im August exakt im Rahmen der Erwartungen: Die Preise stiegen um 0,2 % (Kernrate) und 0,3 % (gesamt) gegenüber dem Vormonat, im Jahresvergleich liegt die Teuerung bei 2,7 % (gesamt) beziehungsweise 2,9 % (Kernrate). Damit bewegt sich die Inflation seit rund zwei Jahren in einer engen Spanne.

Quelle: bea.gov
Auffällig ist die Entwicklung in einzelnen Bereichen: Während die Preise für langlebige und nicht-langlebige Konsumgüter weiter nachgaben, verteuerten sich Dienstleistungen stärker. Besonders trugen Transport, Gastronomie und Finanzdienstleistungen zu den Preissteigerungen bei – Faktoren, die mit den US-Zöllen eher ferner zu tun haben.

Quelle: bea.gov
Die Einkommen der US-Bürger legten im August um +0,4 % zu, die Konsumausgaben sogar um 0,6 %. Da die Ausgaben also schneller wachsen als die Einkommen, rutschte die Sparquote leicht ab – von 4,8 % auf 4,6 % des verfügbaren Einkommens, dem niedrigsten Wert des Jahres. Dennoch signalisiert dieser Wert noch keine akute Belastung der privaten Haushalte.

Quelle: bea.gov
Der Markt erwartet derzeit noch zwei weitere Zinssenkungen in diesem Jahr- die nächste Ende Oktober zu einer Wahrscheinlichkeit von über 85 Prozent.

Quelle: cmegroup.com
Zölle werden derzeit noch nicht von Konsumenten getragen
Unterm Strich zeigen die Daten: Trotz Zöllen bleibt die Inflation im Griff, die Konsumenten geben mehr Geld aus, finanzieren dies aber zunehmend durch geringere Rücklagen. Wie jedoch aus vielen Umfragen hervorgeht, sind die Amerikaner keinesfalls zufrieden mit der wirtschaftlichen Lage in den USA. Ein X-Beitrag von Spencer Hakimian verdeutlicht, dass der „American Dream“- das perfekte Leben eines Amerikaners- vollends außerhalb der Norm liegt und nur für ganz wenige Menschen zugänglich ist. Diese bewusst überspitzte Schlussfolgerung soll zeigen, dass die amerikanischen Bürger schon seit Jahren in einer prekären Lage stecken und das transatlantische Leben strukturell teuer und nur auf „Pump“ zu finanzieren ist.

Quelle: @SpencerHakimian / X
Die aktuellen, „harten“ Daten zeigen deutlich, dass die Zollbelastung entweder tatsächlich bei ausländischen Firmen wie beispielsweise Audi liegt, die die Zölle bewusst nicht an die Endkonsumenten weitergeben und auf erhebliche Anteile der Marge verzichten. Zum größten Teil jedoch liegen die Zölle bei den amerikanischen Unternehmen, die derzeit ihre Gewinnpolster nutzen, um die Marktanteile zu sichern. Dass das nicht immer und auch keinesfalls weitere dreieinhalb Jahre funktionieren wird, hat zur Folge, dass es irgendwann die Konsumenten treffen muss. Dieser Preisschock hat das große Potential, den amerikanischen Ottonormalverbraucher an den Nullpunkt der finanziellen Existenz zu drängen.
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Foto von Deng Xiang auf Unsplash


