Zölle auf Goldbarren! Was das mit Basel III und der US-Schuldenstrategie zu tun hat

gold

Die US-Regierung hat überraschend Zölle auf den Import von ein-Kilo- und 100-Unzen-Goldbarren verhängt, was den weltweiten Goldmarkt durcheinanderbringen dürfte. Betroffen ist vor allem die Schweiz, die rund 90 % des weltweit industriell geförderten Goldes verarbeitet. Bisher galt, dass solche Barren als „Bullion“ zollfrei waren – diese Einstufung wurde nun durch eine Entscheidung der US-Zollbehörde aufgehoben. Da ein großer Teil des internationalen Goldhandels über die Route London–Schweiz–New York läuft, könnten sich Lieferketten deutlich verteuern und verkomplizieren.

Quelle: @FT / X

Infolge der Meldung stiegt der Goldpreis auf ein Allzeithoch von über 3.500 US-Dollar.

Quelle: @barchart / X

Basel iii und weitere Implikationen

Jedoch könnte nicht nur der Preis des Goldes, sondern auch andere Finanzakteure betroffen sein. Händler, die auf physisches Gold in Form dieser Barren setzen, könnten nun nämlich gezwungen sein, ihre Positionen zu schließen, was in London zu Liquiditätsengpässen führen würde.

Die neuen Regeln treffen zudem auf bereits strengere Anforderungen durch Basel III, die Banken ohnehin zu mehr physischem Bestand und weniger Papierhandel drängen. Dieses Jahr wurde mit Basel III die Rolle von Gold im Bankensystem deutlich aufgewertet, indem physisches, zugewiesenes Gold in bestimmten Fällen als hochwertiges Tier-1-Vermögen mit 0 % Risikoabschlag anerkannt wird. Entscheidend ist, dass diese Einstufung nur für tatsächlich vorhandenes, segregiert gelagertes Gold gilt, während Papiergold wie ETFs oder Futures weiterhin Gegenparteirisiken birgt und daher nicht gleichbehandelt wird. Genau die Verzollung dieses als Tier-1-Asset anerkannten Goldes wird nun die Importkosten erhöhen und somit besonders für Banken und deren Liquiditätsbereitstellung problematisch.

Gold als Entschuldungsmittel für die USA?

Interessant ist die Tatsache, dass erst am Anfang des laufenden Monats ein Kommentar des leitenden Ökonoms Colin Weiss bezüglich einer Aufwertung der staatlichen US-Goldreserven veröffentlicht wurde. Die letzte Goldaufwertung in den USA erfolgte in den 1930er Jahren im Zuge von Roosevelts Ausstieg aus dem Goldstandard. Eine solche „Gold-Revaluation“ bedeutet schlussendlich, dass der offizielle Buchwert der staatlichen Goldreserven auf den aktuellen Marktpreis angehoben wird.

Quelle: @TaviCosta / X

Zu dem aktuellen Marktpreisen würde das enorme Bilanzgewinne für das Finanzministerium bringen und so den Bedarf an neuen Staatsanleihen verringern. Damit könnte Washington nicht nur Druck auf andere Handelsakteure erzeugen, sondern ebenfalls den eigenen Fiskus beflügeln. Gleichzeitig könnte der Schritt aber als Teilabwertung des US-Dollars interpretiert und so ein zusätzlicher Druck auf die Stabilität des US-Dollar-Systems ausgeübt werden.

In eigener Sache: Zur Analyse sowie Informationsbeschaffung nutzen wir die Software InvestingPro unseres Partners
investing.com. Mit dem Partnerlink https://www.investing-referral.com/aff90/ sparen Sie immer den maximalen Rabatt.

Wenn Sie nichts wichtiges rund um die Börse, Wirtschaft und Politik verpassen wollen, folgen Sie uns auf Home – EconomyGlobal.

Bild von Tumisu auf Pixabay

Entdecke mehr von EconomyGlobal

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen