Während in den USA Zinssenkungen aufgrund der teils schon in Kraft getretenen und teils erwarteten Importzölle unwahrscheinlich erscheinen, stellt sich auch für die Europäische Zentralbank die Frage, inwiefern der Leitzins gesenkt und somit die Zinsdifferenz erhöht werden kann. Insgesamt gibt es derzeit einige gute Gründe, die die EZB daran hindern könnten, die Zinssenkungen am kommenden Donnerstag (24.07.2025) weiter fortzuführen. Grundsätzlich streben ökonomische und währungstechnische Effekte gegeneinander und erschweren die Entscheidungsfindung der EZB.
In diesem Jahr hatte der Euro zeitweise um über 16 % gegenüber dem Dollar zugelegt und war Anfang Juli auf über die Marke von 1,18 $ geklettert. Einige Notenbanker zeigten sich zunehmend besorgt über diesen Höhenflug: Martins Kazaks warnte, dass die Kombination aus hohen Zöllen und einem weiterhin starken Euro die Exportdynamik deutlich schwächen könnte.

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Hintergrund der Diskussion ist die anhaltende Unsicherheit über mögliche US-Strafzölle auf europäische Waren, die ab August greifen könnten. Diese drohenden Zölle- unabhängig von dessen Höhe- und der damit verbundene Handelskonflikt stellen für die EZB ein zentrales Thema dar, weil die Zölle sowohl das Wirtschaftswachstum als auch die Exportaussichten der Eurozone belasten würden. Gleichzeitig führt der starke Euro unmittelbar dazu, dass Importe verbilligt, Exporte erschwert und damit der Preisdruck gedämpft wird. Sollte der Euro also bei amerikanische Strafzöllen aufgrund von Zinsdifferenz und externen Schocks weiterhin so stark bleiben, wäre die europäische Exportwirtschaft gleich aufgrund eines doppelten Effekts geschwächt. Ist der starke Euro hingegen nachfragebedingt, ist die Situation für die EZB anders zu bewerten.
Der jüngste Kursrückgang des Euro verschafft der Europäischen Zentralbank (EZB) also nun etwas Luft und erleichtert es ihr, die Leitzinsen vorerst unverändert zu lassen. Während die der Zinssatz für die Einlagefazilitäten bei 2 % liegt, wurde der Hauptrefinanzierungssatz am 11. Juni auf 2,15 % gesenkt.

Quelle: tradingeconomics.com
Gleichzeitig mahnen die „Falken“ im Rat, dass ein zu weiches geldpolitisches Vorgehen angesichts staatlicher Konjunkturprogramme unangemessen wäre. Denn auch wenn die EZB kurzfristig verhindern möchte, dass die Konjunktur weiter abkühlt, muss sie sich darauf vorbereiten, die Geldpolitik bei stärkerer fiskalischer Nachfrage wieder zu straffen.
Arbeitslosigkeitdivergenz könnte EZB zugute kommen
ING machte auf eine äußerst interessante Entwicklung aufmerksam. Denn während in den nördlichen europäischen Mitgliedsstaaten die Arbeitslosigkeit leicht steigt, verzeichnen die Länder im Süden einen deutlichen Beschäftigungsboom.

Quelle: @ING_Economics / X
Diese Entwicklung trägt dazu bei, die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Nord und Süd zu verringern, was wiederum die Anleihemärkte beruhigt und der Europäischen Zentralbank die Geldpolitik erleichtert.

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Besonders deutlich ist der Trend in Ländern wie Spanien, Griechenland, Portugal und Italien, wo die Arbeitslosenquoten teils um mehrere Prozentpunkte zurückgingen. Gleichzeitig stagnierte oder stieg die Arbeitslosigkeit in nördlichen Staaten wie Deutschland, Belgien oder den Niederlanden leicht an. Im Süden entstehen vor allem neue Jobs im Einzelhandel, Bauwesen sowie in professionellen Dienstleistungen. Währenddessen ist es im Norden vor allem der öffentliche Sektor, der noch für positive Beschäftigungsimpulse sorgt. Die Industrie im Norden hingegen baut Personal ab, was mit schwacher Konjunktur und hohen Löhnen zusammenhängt.
Diese Konvergenz sorgt dafür, dass die EZB weniger stark zwischen unterschiedlichen Wirtschaftslagen abwägen muss und ihre Politik leichter auf die gesamte Eurozone ausrichten kann.
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Foto von Charlotte Venema auf Unsplash


