Dimon über Europa: „Ihr verliert“- Warum Europa zurück hinkt

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Der Chef der US-Großbank JP Morgan, Jamie Dimon, hat Europas wirtschaftliche Lage scharf kritisiert. Bei einer Veranstaltung des irischen Außenministeriums erklärte er, die EU verliere zunehmend den Anschluss an die USA und China. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren sei Europas Wirtschaftsleistung von etwa 90 % des US-Niveaus auf rund 65 % gefallen – ein besorgniserregender Trend. Während amerikanische Unternehmen auf dem Weltmarkt mit Größe und Schlagkraft dominieren, mangele es Europa an solchen global wettbewerbsfähigen Konzernen.

Quelle: @FT / X

Schon im Frühjahr hatte Dimon die EU aufgefordert, ihre Rahmenbedingungen zu reformieren, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sei mittlerweile auf nur noch die Hälfte des US-Wertes gesunken, was langfristig nicht tragbar sei. Deutschlands BIP pro Kopf ist seit der Finanzkrise 2008 um lediglich knapp 18,5 Prozent gestiegen- das Amerikanische stieg in dem gleichen Zeitraum um ca. 84 Prozent an.

Quelle: imf.org

Dimon selbst kritisierte zudem immer wieder den Brexit. Er warnte davor, dass Großbritannien durch den EU-Austritt wirtschaftlich Schaden nehme und Arbeitsplätze aus London in andere europäische Finanzzentren abwandern könnten.

Quelle: tradingeconomics.com

In Europa begann alles mit der Einführung des Euros im Jahr 1995 in Madrid. Diese führte dazu, dass die Zinsen der südeuropäischen Staaten stark sanken und sich so deren Konditionen für die Aufnahme von Fremdkapital vergünstigten. Die mediterranen Staaten nutzten diesen Umstand und verschuldeten sich, um die Binnenwirtschaft anzukurbeln. Es kam jedoch nicht etwa zu einer Verbesserung der Angebotsseite durch die Ausweitung von Real- oder Humankapital, sondern zu einer kreditfinanzierten Ausweitung der Nachfrage. Der Privatsektor nutzte das nun günstige Fremdkapital, um zu bauen- die spanische Aktivität im Bausektor verdreifachte sich binnen einer Dekade. Die Verschuldung ermöglichte Lohnerhöhungen- zunächst im Staatssektor-, die rasch dazu führten, dass auch die Privatwirtschaft mitziehen musste. Schlussendlich kam es dazu, dass die Lohnzuwächse die Produktivität überstiegen. Es kam zu Inflation und zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit- die südeuropäischen Staaten wurden zu teuer.

Trotzdem befinden sich die europäischen Aktienmärkte auf Rekordhöhen. Kapital fließt zunehmend nach Deutschland- auf der einen Seite aufgrund von keynesianischen nachfragestimulierenden Effekten, auf der anderen Seite wegen des vermeintlichen Vertrauensverlustes in den US-Dollar. Zwar verweisen Skeptiker und „Bären“ immer wieder auf die zunehmende Divergenz von Wirtschaftsleistung und Aktienkursen. Diese Argumentation kann jedoch durch die einfache Faktenlage, dass Aktienindizes keineswegs eine Volkswirtschaft abbilden, entkräftet werden.

Quelle: TradingView

Aktienindizes sind nämlich nicht mehr als ein „Pool“ der stärksten an der Börse gelisteten Unternehmen- und entgegen des in Deutschland großen Mittelstandes performen diese Unternehmen durchaus. Des Weiteren sind „deutsche“ Unternehmen mit ihre Produktion zum großen Teil im Ausland- die Wertschöpfung findet woanders statt.

Quelle: TradingView

Europa hat Probleme. Diese Probleme sind tiefgreifender Natur und konzentrieren sich nicht auf etwa auf große Unternehmen, die Produktionsstätten jederzeit mobilisieren können. Die Strukturprobleme betreffen viel mehr die mittelständigen und kleine Unternehmen, für die sich ihre Unternehmungen nicht mehr rentieren.

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Bild von Gordon Johnson auf Pixabay

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