Die Bank of Japan hat überraschend angekündigt, ihre Bestände an börsengehandelten Fonds (ETFs) schrittweise zu reduzieren. Pro Jahr sollen rund 620 Milliarden Yen (520 Milliarden USD) verkauft werden- eine Destabilisierung der Finanzmärkte soll dabei ausgeschlossen und keinesfalls riskiert werden.

Quelle: Decisions on Disposal of ETFs and J-REITs (September 2025 MPM) – boj.or.jp
Hintergrund dieser Verkäufe ist das Ziel, die unkonventionelle Geldpolitik schrittweise zu normalisieren und die extreme Marktverzerrung durch die Rolle der BoJ als Großaktionär zu verringern. Da Verkäufe von Staatsanleihen unmittelbar die Refinanzierungskosten des Staates erhöhen würden, wählt sie mit ETFs einen Markt, dessen Abbau die Finanzstabilität weniger stark belastet. Damit reduziert sie Risiken in ihrer Bilanz und signalisiert zugleich den Übergang zu einer weniger expansiven Geldpolitik. Entsprechend hat sich die Zinsstrukturkurve in Japan im Vergleich zum Monatsanfang verflacht. Während die Zinsen am langen Ende der Zinsstrukturkurve gesunken sind, stiegen sie am kurzen Ende merklich an.

Quelle: Trading View
Die Mitteilung sorgte für starke Ausschläge an der Börse in Tokio: Der Nikkei startete zunächst im Plus, fiel nach der BoJ-Entscheidung deutlich ins Minus und schloss schließlich -1,26 % unter dem Vortagesniveau.

Quelle: Trading View
Haben wir bald erneut das Carry-Trade Problem?
Diese Frage resultiert daraus, dass es zugleich innerhalb des Entscheidungsgremiums Uneinigkeit über den Leitzins gab: Zwei Mitglieder hätten ihn lieber schon jetzt auf 0,75 Prozent angehoben. Damit rückt eine Zinserhöhung im Oktober aufgrund von Inflationsrisiken deutlich näher.
Die impliziten Risiken einer Leitzinserhöhungen sind aber global. Seit vielen Jahren nutzen Investoren den sogenannten Yen-Carry-Trade: Sie leihen sich günstig Yen und investieren das Geld in renditestärkere Anlagen wie Aktien. Sollte die Bank of Japan tatsächlich im Oktober die Zinsen anheben, würde dieses Geschäftsmodell deutlich unattraktiver. Viele Marktteilnehmer müssten ihre Positionen auflösen, also weltweit Vermögenswerte verkaufen und die Erlöse in Yen zurücktauschen, um ihre Kredite zu bedienen.
Die Folge wäre kurzfristig ein enormer Verkaufsdruck an den globalen Finanzmärkten – ähnlich wie schon im August 2024 zu beobachten war. Besonders brisant ist die Dimension: Das Volumen des Yen-Carry-Trades wird auf rund 14 Billionen Dollar geschätzt. Eine Zinswende der BoJ birgt deshalb das Risiko von heftigen Turbulenzen an Aktien-, Anleihe- und Kryptomärkten weltweit.
Bank of England belässt Leitzins bei 4 %
In Großbritannien verlief die jüngste Zinsentscheidung dagegen unspektakulärer. Die Bank of England beließ den Leitzins bei 4 Prozent, wobei zwei Ratsmitglieder erneut für eine weitere Zinssenkung votierten. Insgesamt zeigt das Gremium weiter eine Tendenz zur Lockerung, allerdings wird der Spielraum angesichts hartnäckiger Kerninflation kleiner. Neue Entlastungen sind nach Einschätzung vieler Beobachter daher erst Anfang 2026 zu erwarten, zumal die jüngsten Inflationsdaten kaum Fortschritte beim Preisauftrieb erkennen lassen.

Quelle: tradingeconomics.com
Parallel will die Bank of England ihre Anleihebestände stärker abbauen. Im kommenden Jahr sollen rund 70 Milliarden Pfund auslaufen oder aktiv verkauft werden, wobei die Verkäufe bewusst stärker auf kurzlaufende Papiere konzentriert werden, um die Belastung für den Markt am langen Ende zu begrenzen.
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Bild von Markus Winkler auf Pixabay


