Globaler Anleihemarkt im Abverkauf – Gold profitiert vom Vertrauensverlust

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Diese Woche konnten Anleger einen von uns schon vor Monaten befürchteten globalen Abverkauf am Anleihemarkt sehen. Anleger trennen sich vermehrt von langlaufenden Staatsanleihen, was die Renditen steigen lässt – nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und Asien.

Auslöser sind unter anderem die unklare Inflationsentwicklung in den Vereinigten Staaten, Streitigkeiten um neue Zölle sowie ein umfangreiches Ausgabenpaket. Zusätzlich verstärken Forderungen von Präsident Trump nach raschen Zinssenkungen die Nervosität. Während die US-Notenbank Mitte September mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zinsen senken dürfte, wächst die Sorge, dass ein zu schneller Kurswechsel ohne solide wirtschaftliche Grundlage langfristig höhere Zinsen nach sich ziehen könnte. Abgesehen davon steht die Frage im Raum, inwiefern die Federal Reserve in Zukunft ihre Unabhängigkeit wahren und ihrer Aufgabe der geldpolitischen Stabilität nachkommen kann.

So kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zuletzt auf 4,3 Prozent bis sie gestern und heute wieder um 10 Basispunkte nachgab.

Quelle Trading View

Auch in Japan und Großbritannien verteuerten sich Staatsanleihen, da beide Länder mit hohen Defiziten und schwacher Nachfrage bei Anleiheauktionen kämpfen. In Großbritannien erreichten die Renditen sogar den höchsten Stand seit Ende der 1990er-Jahre.

das UK steht vor besonders großen Problemen

Das britische Pfund hat eine der schwankungsreichsten Wochen seit Monaten hinter sich. Hintergrund sind zunehmende Zweifel an der Finanzlage Großbritanniens und daran, ob die Regierung die Staatsfinanzen im Griff behalten kann.

Quelle: Trading View

Gleichzeitig stiegen die Renditen langlaufender Staatsanleihen (besonders 30-Jährige) zeitweise auf den höchsten Stand seit 1998 – ein Zeichen für das Misstrauen der Investoren.

Quelle: @KobeissiLetter / X

Diese divergente Bewegung zwischen dem Britischen Pfund und den britischen Anleiherenditen ist ungewöhnlich, denn eigentlich stützen steigende Renditen traditionell eine Währung. Wenn die Zinsen auf Staatsanleihen hoch ausfallen, begünstigt das nun mal Kapitalzuflüsse aus dem Ausland und somit eine Aufwertung der heimische Währung. Doch wenn höhere Zinsen Ausdruck von Inflationssorgen statt von Vertrauen in künftiges Wachstum sind, kehrt sich dieser Effekt um.

Finanzministerin Rachel Reeves will am 26. November ihren Herbsthaushalt vorlegen. Sie steht unter Druck, die Ausgaben zu begrenzen, um Inflation und Zinskosten einzudämmen. Großbritannien weist derzeit innerhalb der G7-Staaten die höchsten Finanzierungskosten auf. Gleichzeitig ist Großbritannien schon seit Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig- der Standort ist zu teuer und Investitionen im Privatsektor sind unattraktiv.

Quelle: tradingeconomics.com

Zwar stellte Bank-of-England-Chef Andrew Bailey genau aus diesem Grund am Mittwoch weitere Zinssenkungen in Aussicht, betonte aber, dass unklar sei, wann und in welchem Tempo diese erfolgen könnten- ein Sinken der Inflationsrate (derzeit 3,8 %) ist bis dato nicht in Sicht, was die Situation aus geldpolitscher Sicht nicht einfacher darstellt.

Quelle: tradingeconomics.com

Gold- Der große Gewinner

Ohne Japan, Europa und besonders das Sorgenkind Frankreich behandelt zu haben, ist eine klare Bewegung zu sehen: Viele institutionelle Investoren und Notenbanken weichen zunehmend auf Edelmetalle aus. Gold markierte mit über 3.600 Dollar je Feinunze ein neues Rekordhoch. Analysten sehen darin ein klares Signal, dass das Vertrauen in klassische „sichere Häfen“ wie Staatsanleihen schwindet.

Quelle: @KobeissiLetter / X

Fachleute verweisen zudem darauf, dass eine expansive Fiskalpolitik in den USA – kombiniert mit Trumps Zollplänen – die Inflation weiter anheizen könnte. Auch in Japan und Großbritannien verschärfen steigende Preise und Defizite den Druck auf die Geldpolitik. Selbst wenn die Fed kurzfristig mehrfach die Zinsen senkt, könnte dies das Vertrauen in den Dollar schwächen und langfristig höhere Finanzierungskosten nach sich ziehen.

Goldman Sachs prognostizierte, dass Gold Mitte 2026 bei 4.000 US-Dollar notieren und sich der 5.000-Marke nähern könnte, sollte die „Glaubwürdigkeit“ der Federal Reserve „signifikant“ schwinden.

Die Folge: Anleger setzen vermehrt auf Gold und Silber, die allein in diesem Jahr bereits deutlich zweistellig zulegen konnten. Weltweit steigen die Goldreserven auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten. Für Experten sind die aktuellen Bewegungen bei Anleihen und Edelmetallen ein Warnsignal, dass die Märkte auf absehbare Zeit nervös und volatil bleiben dürften.

Quelle: @elerianm / X

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Foto von fikry anshor auf Unsplash

Foto von Zlaťáky.cz auf Unsplash

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